Ein Kind vom kretischen Dorf

Geboren und aufgewachsen bin ich in auf der griechischen Insel Kreta, in einem kleinen Dorf an der Nordküste. Umgeben von Meer, Sonne und der griechischen liebevollen Eigentümlichkeit.

Ich habe mich als Kind wild und frei gefühlt. Immer barfuß, oft bis in die Nacht draußen unterwegs. In unserem Garten gab es gefühlt das ganze Jahr über etwas zu ernten, im Zitronenbaum hat es immer irgendwo gelb geleuchtet und mindestens eine der vielen Katzen streunte in der näheren Umgebung herum.

Einige dieser Eindrücke haben mich tief geprägt:

Der Geruch von salzigem Meerwind oder feuchtem Schaffell. Das Bild von einem Meer aus pinken Bougainvilleablüten vor unserer Haustür. Der Duft von Kiefernnadeln die im Wind pfeifen. Frühlingsluft und Orangenblüten. Das Rauschen der Olivenblättern und die strahlend trockene Wärme der Erde wenn die Sonne gerade untergeht, oder das Geräusch von Kieselsteinen in der Brandung.

Es sind Impressionen, Erinnerungen und Gefühle die mich immer begleiten. Sie füllen mich mit Nostalgie und einem Gefühl der Verbundenheit.

Auch mein Elternhaus, das viel wert auf Freiheit, Selbstentfaltung und -bestimmung legt, sowie die Herausforderung als jüngste von fünf Geschwistern aufzuwachsen, haben mir einiges mit auf den Weg gegeben.

Meine Mutter nahm mich mit auf unzählige Wanderungen für ihre archäologischen Feldstudien. Von ihr habe ich gelernt genau hinzusehen, dass Geschichte und Storytelling den staubigsten Stein zu einem glänzenden Werkzeug machen kann, und dass man Freude und Schönheit in jedem noch so kleinen banalen Ding finden kann und diese auch genießen sollte.

Mit meinem Vater machten wir auf der Vespa oder dem uralten weißen Suzuki-Bus, der bei Regen gerne mal stehen blieb, die Hinterstraßen der Insel unsicher. Ich habe gelernt, dass Menschen sehr komplex sind, man immer weiter lernen und wachsen kann, und dass Prousts „auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ nicht unbedingt langweilig, aber doch sehr sehr lang ist. Außerdem, dass man sich manchmal nur lange genug langweilen muss, bis die Inspiration kickt.

Wir wurden ermutigt zu lernen (nicht unbedingt im schulischen Sinn), interessiert, begeistert und kreativ zu sein. Selbst zu machen, zu basteln und bauen, auszuprobieren, war gewissermaßen ein Grundbaustein. Viele dieser Eigenschaften habe ich mir bis heute erhalten.

Nur dieser Kinderbaukasten für Physikexperimente mit den Magneten und Metallspänen hat mich damals schon nicht überzeugt. Ich bin glaube ich nie weiter als Experiment Nr. 12 gekommen (und da gab es noch sehr viele mehr), aber mindestens einer der Magneten hängt noch am Kühlschrank, der seitdem schon mindestens einmal ausgetauscht wurde.

Für mein Abitur und Studium kehrte ich in die Heimat meiner Eltern nach Süddeutschland zurück. Meiner kreativen Ader folgend studierte ich Visuelle Kommunikation an der Merz Akademie in Stuttgart. Anschließend zog ich für meinen Master an der HTWG Konstanz an den Bodensee.

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